Kunstmuseum Moritzburg: Schatten Licht. Beate Terfloth und Nancy Jahns

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Stadt Halle (Saale), Thomas Ziegler
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Stadt Halle (Saale), Thomas Ziegler

Die Reihe ZuSpiel im Kabi­nett der Aus­stel­lung Moderne Zwei im Kunst­mu­seum Moritz­burg ist aus­ge­wähl­ten Posi­tio­nen der zeit­ge­nös­si­schen Kunst gewid­met. Das erste ZuSpiel in die­sem Jahr fin­det zwi­schen den Künst­le­rin­nen Nancy Jahns aus Halle (Saale) und Beate Ter­floth aus Ber­lin, Pro­fes­so­rin für Gra­fik am Mozar­teum in Salz­burg, statt. Beate Ter­floth und Nancy Jahns erhel­len auf ver­schie­dene Wei­sen die kom­plexe Rea­li­tät der Welt und der Dinge, die sich ihnen an- und dar­bie­ten. Die Arbei­ten der Künst­le­rin­nen begeg­nen sich unter dem Motto Schat­ten Licht, in dem die kom­plexe Ver­schrän­kung von Phy­sik und Meta­phy­sik, von prä­zi­ser Unter­su­chung und Phä­no­me­no­lo­gie der Wahr-nehmung ange­spro­chen ist.

Beate Ter­floth erwei­tert die Zeich­nung in den Raum hin­ein und wan­delt sie in andere Medien. Bekannt wurde sie durch ihre Raum­zeich­nun­gen, bei denen sich die über einen län­ge­ren Zeit­raum frei gezeich­ne­ten und im unter­bre­chen­den Zurück­tre­ten immer wie­der beob­ach­te­ten Linien beweg­lich über die Wände des Rau­mes aus­brei­ten. Mit den Mit­teln der lang­sam ent­ste­hen­den, per­for­ma­ti­ven und erwei­ter­ten Zeich­nung unter­sucht Beate Ter­floth Raum und Zeit, Dis­tanz, Nähe und Bewe­gung und die sich per­ma­nent ver­än­dernde Wahr­neh­mung.
Im ZuSpiel wer­den von ihr die Arbei­ten „neon – voca­bu­lary 1“ (2012) und Blät­ter aus der Serie „pla­ce­ment“ (2010) gezeigt. „neon – voca­bu­lary“ beruht auf einer Landschafts-zeichnung, aus der Linien sepa­riert und in dünne Neon­röh­ren über­tra­gen wur­den. Sie wer­den varia­bel, dem jewei­li­gen Raum ent­spre­chend, vor der Wand instal­liert. Die wei­ßen Licht­li­nien von beweg­li­chem, zeich­ne­ri­schem Duk­tus schaf­fen durch ihre Strah­lung eine sich in den Raum aus­brei­tende Licht­zeich­nung, die zwi­schen Nähe und kos­mi­scher Ent­fer­nung als stets anders kom­bi­nier­ba­res „Voka­bu­lar“ vibriert. In „pla­ce­ment“ sam­meln win­zig geras­terte, far­bige Minia­tu­ren im gro­ßen Weiß des Blat­tes das durch ein Git­ter fal­lende Licht in far­bi­gem Spek­trum als poten­zi­el­les All-Over. Von Beate Ter­floth wird außer­dem „Allah-o-Akbar“ – Video­ar­beit über einen Don­ners­tag am Schrein von Baba Shah Jamal, Lahore 1998/Berlin 2000 auf der Gale­rie am Ein­gang zur Moderne Zwei gezeigt. Die Künst­le­rin hatte die sel­tene Gele­gen­heit, mit der Kamera dem ritu­el­len Tanz einer Gemein­schaft von Sufis beizuwohnen.

Nancy Jahns ver­folgt auf lei­sen Soh­len die Geheim­nisse des Ein­fa­chen. Sich der Gefahr bewusst, das Geheim­nis zu ver­trei­ben, wenn man es fest­hal­ten und ins Licht zer­ren will, ope­riert sie mit allen ihm ange­mes­se­nen Medien der Kunst (Video, Foto­gra­fie, Objekt, Instal­la­tion) in einem Zwi­schen­raum, in dem die Anschau­ung zwi­schen Ver­nunft und magi­schem Den­ken vaga­bun­diert. In schein­bar unspek­ta­ku­lä­ren Din­gen und Hand­lun­gen ent­deckt sie den Glanz des Rea­len als Schön­heit, die der Glanz des Wah­ren ist (nach Augus­ti­nus): Der gold­be­legte Medi­zin­ball „Medi­zin“ ist leuch­tende Mate­rie gesam­mel­ter Ener­gien, das Objekt „Licht-Requisit“ ein inten­siv dunk­ler, kei­nem sicht­ba­ren Zweck die­nen­der und dabei mit traum­haf­ter Sicher­heit for­mu­lier­ter Gegen­stand. „Pro­jekt für luft­durch­läs­sige Häu­ser“, eine Video­pro­jek­tion, ent­wirft eine beweg­li­che Schatten-zeichnung von wun­der­ba­rer Leich­tig­keit. Wie viel vom Anhauch die­ser „luft­durch­läs­si­gen Häu­ser“ wären der Mensch­heit zu wün­schen!
Zur Eröff­nung wer­den wei­tere Video­ar­bei­ten der Künst­le­rin­nen gezeigt.

Stif­tung Moritz­burg
Kunst­mu­seum des Lan­des Sachsen-Anhalt
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
Tel. +49 (0)345 212 59-68
www.kunstmuseum-moritzburg.de

Öff­nungs­zei­ten:
19.03. - 01.06.2014, im Kabi­nett Moderne Zwei
Di 10 – 19 Uhr und Mi – So, Fei­er­tage 10 – 18 Uhr

Eröff­nung mit den Künst­le­rin­nen, am Diens­tag, 18. März 2014, 19 Uhr