Nur noch bis 18. Mai 2014: „3300 BC - Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt“

Copyright Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Die Schau prä­sen­tiert auf ca. 900 m² Aus­stel­lungs­flä­che mehr als 300 Fund­kom­plexe und Funde. 44 Leih­ge­ber aus 13 Län­dern stell­ten her­aus­ra­gende Objekte zur Ver­fü­gung. Das Gros der Aus­stel­lungs­stü­cke stammt jedoch aus den Aus­gra­bun­gen des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pflege und Archäo­lo­gie Sachsen-Anhalt, schließ­lich ste­hen im Zen­trum der Schau die (Be-) Funde aus dem über 5000 Jahre alten Erd­werk von Salz­münde west­lich von Halle, dem Namen geben­den Fund­ort der jung­stein­zeit­li­chen Salz­mün­der Kul­tur (3.400–3.050 v. Chr.).

Der Salz­mün­der Fund­platz liegt auf einem weit­läu­fi­gen Höhen­pla­teau über der Saale. Eine dop­pelte Gra­ben­an­lage von ins­ge­samt 4,5 km Länge umgibt eine Flä­che von fast 40 ha. In die­sen Grä­ben und im Inne­ren der Anlage fan­den sich zahl­rei­che merk­wür­dige Befunde, die in die­ser Form und aus ande­ren neo­li­thi­schen Kul­tu­ren nicht bekannt sind. Ins­be­son­dere gaben - und geben z. T. immer noch - Bestat­tun­gen unter dicken Scher­ben­la­gen, umge­bet­tete Tote sowie zahl­rei­che ein­zelne Kno­chen und vor allem Schä­del Rät­sel auf. Oft­mals scheint die Nie­der­le­gung der Toten Bestand­teil eigen­ar­ti­ger, aus heu­ti­ger Sicht schwer nach­voll­zieh­ba­rer Rituale gewe­sen zu sein. Sehr häu­fig sind die Ver­stor­be­nen mit Gewalt zu Tode gekom­men und wur­den unter Res­ten ver­brann­ter Häu­ser und dicken, aber sorg­fäl­tig nie­der­ge­leg­ten Scher­ben­pa­ckun­gen, beste­hend aus meh­re­ren Lagen tau­sen­der von Kera­mik­scher­ben, bestat­tet. Nach­dem der Fund­platz über län­gere Zeit benutzt wor­den war, wurde er wohl in einer letz­ten Phase von den von Nor­den ein­drin­gen­den Trä­gern der sog. Bern­bur­ger Kul­tur erobert und in Besitz genommen.

Das 4. Jahr­tau­send v. Chr. wird jedoch nicht nur durch aus heu­ti­ger Sicht rät­sel­hafte und fremde Rituale und Zere­mo­nien geprägt, es ist euro­pa­weit auch eine Zeit zahl­rei­cher Inno­va­tio­nen. Dies ver­deut­licht der erste The­men­kom­plex der Aus­stel­lung, den der Besu­cher im Atrium des Lan­des­mu­se­ums betritt. Er beginnt mit einer Ein­füh­rung zur Ent­wick­lung und Aus­brei­tung von Acker­bau und Vieh­zucht, die vor ca. 11.000 Jah­ren im
Vor­de­ren Ori­ent ihren Anfang nahm.

Im zwei­ten, größ­ten The­men­kom­plex der Aus­stel­lung wird der Besu­cher zunächst mit der Salz­mün­der Kul­tur ver­traut gemacht, für die beson­dere Objekte wie etwa auf­wän­dig ver­zierte Prun­k­äxte und Ton­trom­meln, aber auch sze­ni­sche Dar­stel­lun­gen sowie ein rei­cher Fun­dus an Sym­bo­len auf Kera­mik­ge­fä­ßen und Prun­k­äx­ten cha­rak­te­ris­tisch sind. Neben die­ser Welt der Töne und Sym­bole ste­hen hier natür­lich die rät­sel­haf­ten und
bemer­kens­wer­ten Befunde im Mit­tel­punkt, die bei den Aus­gra­bun­gen bei Salz­münde zu Tage kamen und in den letz­ten Jah­ren Gegen­stand grund­le­gen­der For­schun­gen waren. Anhand der schon erwähn­ten Neun­fach­be­stat­tung, die die For­scher vor beson­ders viele Fra­gen stellte, wird exem­pla­risch dar­ge­stellt, zu welch weit­rei­chen­den Ergeb­nis­sen die
ver­schie­de­nen an der Unter­su­chung betei­lig­ten Dis­zi­pli­nen in gera­dezu kri­mi­na­lis­ti­scher Arbeits­weise gelang­ten. Der Besu­cher erhält hier Ein­blick in aktu­elle For­schung und modernste Methoden.

Abge­run­det wird diese Reise in ein Zeit­al­ter der alten Netz­werke und neuen Tech­no­lo­gien, in eine Welt vol­ler rät­sel­haf­ter Rituale und mys­te­riö­ser Zei­chen durch einen ver­glei­chen­den Blick dar­auf, wie das all­täg­li­che Leben mit den Ahnen aus­ge­se­hen haben kann. Hier­für wer­den Objekte aus Mela­ne­sien, von den Inseln Neu­gui­nea und Neuir­land
vor­ge­stellt, anhand derer sich erläu­tern lässt, wie ein Mensch zum Ahnen wird. Auch hier kommt den Schä­deln der Ahnen große Bedeu­tung zu. Ein Film­do­ku­ment zeigt die
Über­mo­del­lie­rung des Schä­dels eines Ver­stor­be­nen mit Lehm – und schlägt dadurch den Bogen zurück an den Beginn der Aus­stel­lung, wo der Besu­cher einen mit Lehm über­form­ten Schä­del aus dem vor­der­ori­en­ta­li­schen Jeri­cho als Zeug­nis eines frü­hen Ahnen­kul­tes aus jener Zeit des Über­gangs vom Jäger- und Samm­ler­tum zur neo­li­thi­schen
Sess­haf­tig­keit vor 11.000 Jah­ren gese­hen hat.

Alle Infos zur Ausstellung

noch bis 18.05.2014

Öff­nungs­zei­ten:
Di.-Fr. 9–17 Uhr, Sa., So., Fei­er­tage 10–18 Uhr (Mo. nach Ver­ein­ba­rung)
24. und 31.12.2013 geschlossen