Kunstmuseum Moritzburg zeigt: abstrAKT – Figurenbilder von Rudolf Jahns (1896-1983)

Rudolf Jahns: Roter Akt in Landschaft, 1947, Öl auf Holz, 40 x 50 cm, Barbara Roselieb-Jahns, Foto: Axel Triestram, VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Rudolf Jahns: Roter Akt in Landschaft, 1947, Öl auf Holz, 40 x 50 cm, Barbara Roselieb-Jahns, Foto: Axel Triestram, VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Vom 23.05. bis 03.08.2014 wird im Kunst­mu­seum Moritz­burg die neue Son­der­aus­stel­lung „abs­trAKT - Figu­ren von Rudolf Jahns (1896-1983)“ gezeigt. Die fei­er­li­che Eröff­nung fin­det am mor­gi­gen Don­ners­tag, um 18 Uhr, statt. Nach der Begrü­ßung durch Tho­mas Bauer-Friedrich, Direk­tor des Kunst­mu­se­ums Moritz­burg Halle (Saale), spre­chen Dr. Bernd Wie­gand, Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Halle (Saale), Prof. Dr. Ulrich Krem­pel, Direk­tor em. des Spren­gel Muse­ums Han­no­ver, und Dr. Lilli Weiss­wei­ler, Kura­to­rin der Aus­stel­lung. Die musi­ka­li­sche Beglei­tung über­nimmt Salon Per­nod (Tho­mas Wit­ten­be­cher, Akkor­deon; Patrick Zör­ner, Gitarre).

Ich kugele mich im Grase den Hang hin­un­ter, liege still und besehe ein Gän­se­blüm­chen“, schreibt Rudolf Jahns 1921 in einem inti­men Brief an einen Freund. „Das Was­ser glit­zert. Irgendwo singt eine Amsel. Es wird Früh­ling. (…) Die Frau, die mich liebt, wird kom­men und mich küs­sen.“ Von Frauen träu­mend, sie lie­bend wid­met der Künst­ler ihnen einen beson­ders char­man­ten Teil sei­nes Œuvres: den Kor­pus sei­ner Akte. Mal figür­lich, mal abs­trakt sucht er sein Leben lang das als mythisch emp­fun­dene Weib­li­che zu ergrün­den. 1923 hei­ra­tet er seine große Liebe Renate. Über die Frauen schweigt er in sei­nen Brie­fen fortan. Das Feuer aber brennt weiter …

Auch das Haupt­werk „Akte im Raum (Kom­po­si­tion 24)“, 1924 in der legen­dä­ren Sturm-Galerie aus­ge­stellt, erweist der ero­ti­schen Kraft des Weib­li­chen seine Refe­renz. Hin­ter dem ratio­na­len Ant­litz der Bil­der lodert die stille Lei­den­schaft eines emp­find­sa­men, aber auch sehr gespal­te­nen Man­nes. Als jun­ger Künst­ler ver­ehrt er Hans von Marées wie einen Hei­li­gen (Marées ist als Auf­takt zu Jahns Œuvre auch als Auf­takt der Aus­stel­lung zu fin­den). „Ich sehe, wie die Farbe wie Lava über die Flä­che rinnt“, bemerkt Rudolf Jahns über eine der Bild­schöp­fun­gen sei­nes Idols, „das ist Ein­ma­li­ges, Schöp­fung, Zustand. Das möchte ich auch.“ Jen­seits die­ser künst­le­ri­schen Inspi­ra­tion ringt der Künst­ler mit den Fra­gen sei­ner Zeit: Wie nach dem Ers­ten Welt­krieg die Figur ins Bild brin­gen, wo doch andere die Frei­heit eher in der Abs­trak­tion suchen? Wie abs­trakt muss ein Bild sein? Wie figu­ra­tiv darf es sein? Die Bil­der bezau­bern in ihrer rät­sel­haf­ten Noblesse. Durch ein streng ratio­na­les Vor­ge­hen wie bei dem Exzel­lenz­stück „Akte in Raum (Kom­po­si­tion 24)“ (1924) bringt Rudolf Jahns seine Bil­der zum Schweben.

Die Aus­stel­lung zeigt die Vor­ge­hens­weise des Künst­lers in sei­nem stän­di­gen Chan­gie­ren zwi­schen Figu­ra­tion und Abs­trak­tion am Bei­spiel der Akt­bil­der quer durch das gesamte Œuvre. Die ein­zel­nen Werk­grup­pen kön­nen sich auch über­la­gern. Wäh­rend sich der Künst­ler in einem Bild ganz figür­lich äußert, gestal­tet er das andere bereits ganz abs­trakt. Jahns Weg von der Figur zu deren Auf­lö­sung in allen Werk­grup­pen sowie die stän­dige Ver­hand­lung die­ser Gegen­sätze im Ein­zel­ex­po­nat – all das zeigt abstrAKT.

Das Jahr 1933 stellt in dem Leben des Künst­lers eine gra­vie­rende Zäsur dar. Sein Schick­sal als Fami­li­en­va­ter von zwei Kin­dern zwingt ihn dazu, unter dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Regime wei­ter als Finanz­in­spek­tor zu arbei­ten. Wegen der NS-Kunstdoktrin gel­ten seine abs­trak­ten Bil­der als „ent­ar­tet“. Die natu­ra­lis­ti­schen Bil­der die­ser Phase zer­stört der Künst­ler nach 1945. Doch auch nach die­ser leid­vol­len Zeit mün­det sein Leben und Werk wie­der in einer opti­mis­ti­schen Per­spek­tive. „Wir haben nicht nötig, uns (…) gründ­lich umzu­o­ri­en­tie­ren“, schreibt er 1946 an einen Freund. „Bei uns ist nichts unter­bro­chen, es kann wei­ter­ge­hen.“ Es ent­steht der „Rote Akt in Land­schaft“. Eine schöne Unbe­kannte wen­det dem Betrach­ter ihre glü­hende Rück­seite zu und blickt in eine unbe­stimmte Ferne.

AKT­fi­gu­ra­tiv 23.5. – 20.07.2014

Beglei­tend zur Son­der­aus­stel­lung „abs­trAKT. Figu­ren­bil­der von Rudolf Jahns (1896–1983)“ zeigt das Kunst­mu­seum Moritz­burg aus allen Samm­lun­gen eine Aus­wahl der schöns­ten Werke zum Thema Akt aus unter­schied­li­chen Epo­chen. Der weib­li­che wie auch der männ­li­che Kör­per ist seit Jahr­hun­der­ten für Künst­ler eine ästhe­ti­sche und the­ma­ti­sche Her­aus­for­de­rung, Mate­rial und Vision ihrer Kunst. Die meis­ten die­ser reiz­vol­len Gemälde, Zeich­nun­gen, Plas­ti­ken, Foto­gra­fien, Medail­len und Schmuck­stü­cke waren lange nicht zu sehen – einige wer­den zum ers­ten Mal über­haupt aus­ge­stellt – und sie ver­spre­chen nicht nur das Ver­gnü­gen an einem ewi­gen Thema der Kunst, son­dern auch Neu- und Wie­der­ent­de­ckun­gen aus den facet­ten­rei­chen Bestän­den des Museums.

AKT – para­die­sisch, mytho­lo­gisch, ero­tisch, rea­lis­tisch, klas­sisch und als Stu­die von der Renais­sance­me­daille bis zur moder­nen Foto­gra­fie, u. a. mit Arbei­ten von Max Beck­mann, Her­mann Blu­men­thal, Josef Brei­ten­bach, Albert Ebert, Wil­helm Lehm­bruck, Mat­thias Leu­pold, Hans von Marées, Oskar Moll, Hel­mut New­ton, Man­fred Paul, Auguste Rodin, Einar Schleef, Karl Völ­ker, Chris­toph Voll oder Hein­rich Zille!

Adresse & Öff­nungs­zei­ten

Stif­tung Moritz­burg Kunst­mu­seum des Lan­des Sachsen-AnhaltFriedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)

Diens­tag von 10 bis 19 Uhr
Mitt­woch bis Sonn­tag und an Fei­er­ta­gen von 10 bis 18 Uhr
Mon­tag geschlossen