Sonderausstellung: Die Universität Halle im Ersten Weltkrieg

Martin-Luther-Universität, Universitätsplatz, Foto Stadt Halle, Th. Ziegler
Martin-Luther-Universität, Universitätsplatz, Foto Stadt Halle, Th. Ziegler

Über die Aus­wir­kun­gen des Ers­ten Welt­kriegs auf die hal­le­sche Uni­ver­si­tät berich­tet eine neue Aus­stel­lung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Unter dem Titel „Trotz des Krie­ges! Die Uni­ver­si­tät Halle im Ers­ten Welt­krieg“ zeigt das Uni­ver­si­täts­ar­chiv, wel­che Fol­gen der Krieg für die Uni­ver­si­tät und ihre Ange­hö­ri­gen hatte. Die Aus­stel­lung ist vom 23. Okto­ber 2014 bis zum 15. Februar 2015 im Uni­ver­si­täts­mu­seum im Löwen­ge­bäude zu sehen. Die Ver­nis­sage fin­det am Mitt­woch, 22. Okto­ber, um 18 Uhr statt.
Der Erste Welt­krieg ging kei­nes­wegs spur­los an der hal­le­schen Uni­ver­si­tät vor­bei: 602 Stu­die­rende, vier Dozen­ten, drei Beamte und drei Assis­ten­ten aus Halle sind wäh­rend des Kriegs gefal­len. Gemein­sam mit sei­nen Mit­ar­bei­tern hat Archiv- und Kus­to­die­lei­ter Dr. Michael Ruprecht zahl­rei­che Doku­mente auf­be­rei­tet, um die per­sön­li­chen Schick­sale hin­ter den gro­ßen Zah­len zu fin­den: „Es ist ein Ziel der Aus­stel­lung, das Leben der jun­gen Men­schen von damals nach­zu­zeich­nen und sie dadurch ein Stück leben­dig zu machen.“ Mit vie­len Fotos, Brie­fen und Akten will das Archiv der MLU diese per­sön­li­chen Geschich­ten anschau­lich erzäh­len. Dabei kommt dem Stu­den­ten Her­mann Rein­hold eine beson­dere Rolle zu. Rein­hold war selbst fast die gesamte Kriegs­zeit im Feld und hat viele Briefe in die Hei­mat geschickt. „Durch seine ein­drucks­vol­len Beschrei­bun­gen wis­sen wir sehr viel über die Zeit an der Front“, so Michael Ruprecht. Des­halb fin­den sich auch zahl­rei­che Zitate aus Rein­holds Brie­fen in der Aus­stel­lung wie­der.
Bis zu ein Drit­tel der hal­le­schen Stu­die­ren­den befand sich wäh­rend der Kriegs­jahre im Hee­res­dienst. Auch Dozen­ten, Assis­ten­ten und Beamte lie­ßen sich vom Uni­ver­si­täts­dienst beur­lau­ben. „Dabei wur­den sie von der Uni­ver­si­tät sogar unter­stützt“, erklärt Dr. Michael Ruprecht, der die Aus­stel­lung kura­tiert hat. Für Stu­den­ten im Kriegs­dienst wurde die Anwe­sen­heits­pflicht in Vor­le­sun­gen auf­ge­ho­ben, Dozen­ten konn­ten ihre Lehr­ver­an­stal­tun­gen abmel­den. Wäh­rend der Kriegs­zeit ver­suchte die Uni­ver­si­tät außer­dem, ihre Ange­hö­ri­gen mit so genann­ten Lie­bes­ga­ben an der Front zu unter­stüt­zen: „Neben auf­mun­tern­den Brie­fen hat die Uni­ver­si­tät Bücher ver­schickt, damit die Stu­den­ten im begrenz­ten Rah­men ihr Stu­dium fort­set­zen konn­ten“, erklärt Ruprecht. Auch inner­halb der Uni­ver­si­tät war der Krieg spür­bar: „Feind­li­che Aus­län­der wur­den vom Stu­di­en­be­trieb aus­ge­schlos­sen. Außer­dem gab es viele kriegs­be­dingte Lehr­ver­an­stal­tun­gen.“ Dazu gehörte unter ande­rem ein Kurs über die „Ernäh­rung unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Jetzt­zeit“.
Die Aus­stel­lung wid­met sich dar­über hin­aus der tur­bu­len­ten Nach­kriegs­zeit bis 1921: Zwar waren viele Stu­den­ten in die Saa­le­stadt zurück­ge­kom­men, doch auf­grund von bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Zustän­den musste die Uni­ver­si­tät mehr­fach geschlos­sen wer­den. Gleich­zei­tig war sie nach dem Kriegs­ge­sche­hen inter­na­tio­nal iso­liert. Es dau­erte noch viele Jahre, bis sich die Zustände an der hal­le­schen Uni­ver­si­tät wie­der nor­ma­li­siert hatten.

Aus­stel­lung: Trotz des Krie­ges! Die Uni­ver­si­tät Halle im Ers­ten Welt­krieg
Uni­ver­si­täts­mu­seum, Löwen­ge­bäude
Uni­ver­si­täts­platz 11
06108 Halle (Saale)

23. Okto­ber 2014 bis 15. Februar 2015
Jeweils Di bis Fr von 11 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr; So von 14 bis 18 Uhr; an
Fei­er­ta­gen geschlos­sen
Ein­tritt frei; Füh­run­gen am 9. Novem­ber, 7. Dezem­ber 2014 und 11. Januar
2015 jeweils um 15 Uhr, wei­tere Füh­run­gen auf Anfrage mög­lich
Ver­nis­sage am 22. Okto­ber um 18 Uhr
Finis­sage am 15. Februar 2015 um 15 Uhr
Ansprech­part­ner:
Dr. Michael Ruprecht
Lei­ter des Uni­ver­si­täts­ar­chivs
Tele­fon: 0345 1201166
E-Mail: