Kunstmuseum Moritzburg: Original bis … Fälschungen zwischen Faszination und Betrug

René Magritte, Spiegelbild, Fälschung, Foto: Hendrik Schulze-Kalthoff
René Magritte, Spiegelbild, Fälschung, Foto: Hendrik Schulze-Kalthoff

Das Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle (Saale) stellt in die­ser umfas­sen­den Form erst­mals in Deutsch­land das Phä­no­men Kunst­fäl­schung vor. Im Kern ste­hen drei legen­däre Fälle, die in den Jah­ren 1932, 1947 und 2012 auf­ge­deckt wurden.

Fäl­schun­gen ent­ste­hen im Ver­bor­ge­nen. Gel­ten sie noch als Ori­gi­nale, wer­den sie bewun­dert und ver­ehrt, sind sie als Fäl­schun­gen ent­larvt, ver­schwin­den sie in den Depots der Museen oder den Asser­va­ten­kam­mern der Poli­zei. Die Aus­stel­lung zeigt die Cor­pora Delicti und wirft Licht auf die­ses Phä­no­men der Wirtschaftskriminalität.

Ein­ge­lei­tet wird die Expo­si­tion von Bei­spie­len für Produkt- und Mar­ken­fäl­schun­gen, mit denen Kon­su­men­ten kon­fron­tiert sind und bei denen sie im täg­li­chen Leben Ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen: Ori­gi­nal oder Fälschung.

Wei­tere Aus­stel­lungs­teile beschäf­ti­gen sich, begin­nend mit Stü­cken aus dem 18. Jahr­hun­dert, mit Antiken- oder Kunst­hand­werk­fäl­schun­gen oder – noch wei­ter in die Ver­gan­gen­heit zurück­rei­chend – mit Falschgeld.

Zen­tra­ler Teil der Aus­stel­lung sind die Bei­spiele von Otto Wacker, Han van Mee­ge­ren und Wolf­gang Bel­trac­chi, die ver­deut­li­chen, wie das Sys­tem Kunst­fäl­schung funk­tio­niert. Otto Wacker eröff­nete im Ber­lin der Wei­ma­rer Repu­blik seine nach ihm selbst benannte Gale­rie. Er debü­tierte mit einer viel beach­te­ten Aus­stel­lung von Ori­gi­na­len des teuer gehan­del­ten Vin­cent van Gogh. Nach sei­ner Ent­lar­vung stritt sich ein inter­na­tio­na­les Experten-Gremium über die Echt­heit der Werke – ohne Ergeb­nis. So wur­den erst­ma­lig natur­wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zum Nach­weis der Fäl­schung ange­wandt. Diese gal­ten in den Nie­der­lan­den der 1930er Jahre als Stan­dard in Museen zur Über­prü­fung von Neu­an­käu­fen. Der Fäl­scher Han van Mee­ge­ren tüf­telte in sei­ner fran­zö­si­schen Villa in Roque­brune ein Ver­fah­ren aus, diese Prü­fun­gen zu über­ste­hen. Es ent­stan­den Fäl­schun­gen, die in ihrer Sub­stanz mit Bil­dern von Jan Ver­meer iden­tisch erschie­nen. Bei sei­ner Ent­lar­vung wollte nie­mand glau­ben, dass diese Bil­der gefälscht seien – van Mee­ge­ren musste seine Auto­ren­schaft bewei­sen. Hatte van Mee­ge­ren sei­ner­zeit die natur­wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen unter­lau­fen kön­nen, so ist der Fäl­scher Wolf­gang Bel­trac­chi an ihnen geschei­tert. Er ver­wandte Pig­mente, die nicht zum Alter sei­ner Fäl­schun­gen pass­ten. Doch auch andere Unge­reimt­hei­ten hin­sicht­lich Stil und Pro­ve­ni­enz der Werke führ­ten zu sei­ner Entlarvung.

Ein gewich­ti­ger Teil der Aus­stel­lung wid­met sich den Tech­ni­ken, Fäl­schun­gen auf­zu­de­cken. Die­ser Bereich stellt auch die Arbeit des Ale­xej von Jawlensky-Archivs in Locarno als para­dig­ma­ti­sches Bei­spiel im Vor­ge­hen gegen Fäl­schung vor. For­scher haben sich in einem plu­ri­dis­zi­pli­nä­ren Bei­rat zuam­men­ge­schlos­sen. Sti­l­ana­lyse, Pro­ve­ni­enz­for­schung und Natur­wis­sen­schaf­ten gehen zur Wah­rung der Werk­in­te­gri­tät des Œuvres seit 15 Jah­ren erfolg­reich Hand in Hand.

Fäl­schun­gen sind für den Kunst­be­trieb ein schwie­ri­ges Thema, weil es an den Grund­fes­ten unse­rer Vor­stel­lun­gen von Ori­gi­na­li­tät rüt­telt. Es ist eine wich­tige Auf­gabe für ein Museum, sich die­sem Thema zu wid­men und es öffent­lich zu machen. Zugleich führt die Aus­stel­lung in die für die Kunst zen­tra­len Fra­gen von Echt­heit, künst­le­ri­scher Qua­li­tät und ihrer Ver­mitt­lung ein. Die Aus­stel­lung wurde ermög­licht durch die Unter­stüt­zung der Hal­le­schen Woh­nungs­ge­sell­schaft mbH und wird beglei­tet von einem Kata­log und einem Pro­gramm von Vor­trä­gen, Lesun­gen, Film­vor­füh­run­gen sowie muse­ums­päd­ago­gi­schen Angeboten.

21.11.2014 bis 1.2.2015 (eröff­net: 21.11., 18 Uhr)

Kunst­mu­seum Moritzburg

Friedemann-Bach-Platz 5

06108 Halle (Saale)

Öff­nungs­zei­ten

Mon­tag, Diens­tag, Frei­tag - Sonn­tag 10 - 18 Uhr

Don­ners­tag 10 - 20 Uhr

Mitt­woch geschlossen