BURG 100: Symposium „Wundersame Erkenntnismodelle“ im Volkspark

Student beim Plakatmalen, 1949, Hochschularchiv: Henry Kocina "Fass mich an, ich bin krank", 2012; Foto: Matthias Ritzmann
Student beim Plakatmalen, 1949, Hochschularchiv: Henry Kocina "Fass mich an, ich bin krank", 2012; Foto: Matthias Ritzmann

Am 4. und 5. Juni 2015 fin­det im Volks­park Halle das Sym­po­sium „Wun­der­same Erkennt­nis­mo­delle“ mit Künst­le­rIn­nen, Gestal­te­rIn­nen und Wis­sen­schaft­le­rIn­nen statt. Das Sym­po­sium steht in Ver­bin­dung mit der Aus­stel­lung „Asso­zia­ti­ons­raum Wun­der­kam­mer“, die anläss­lich des 100. Jubi­lä­ums der Burg Gie­bi­chen­stein Kunst­hoch­schule Halle in Koope­ra­tion mit den Francke­schen Stif­tun­gen noch bis zum 16. August 2015 in der Wun­der­kam­mer der Francke­schen Stif­tun­gen sowie der Aus­stel­lungs­etage im His­to­ri­schen Wai­sen­haus am Francke­platz 1 zu sehen ist.

Die Wun­der­kam­mer ist ein ganz­heit­li­ches Modell der Welt­er­fas­sung. Sie ver­eint Natu­ra­lia und Arti­fi­ci­alia, Sci­en­ti­fica, Exo­tica und Mira­bi­lia, Mate­ria­lien und Geschich­ten, gezielte Recher­che und Fin­der­glück. Sie ist aber nicht nur ein Ort der Ver­samm­lung von Din­gen und ihrer Ord­nung, son­dern bie­tet auch der For­schung und dem Dia­log über die Ding­kon­stel­la­tio­nen ein Feld. In ihr spie­geln sich die Ana­lo­gie­set­zung von Makro- und Mikro­kos­mos und ein glo­ba­ler Blick, des­sen Hin­ter­grund Mis­si­ons­tä­tig­keit und Kolo­ni­al­ge­schichte bil­den. Im Zuge von Auf­klä­rung und Ratio­na­lis­mus wur­den die Bestände der Wun­der­kam­mern kate­go­ri­siert und den Samm­lun­gen der seit dem 18. Jahr­hun­dert ent­ste­hen­den Spe­zi­al­mu­seen zuge­teilt. In den letz­ten Jah­ren nun wurde die Wun­der­kam­mer ver­ein­zelt und auf unter­schied­li­che Weise als ein Mus­ter für Aus­stel­lungs­kon­zepte aktua­li­siert. Könn­ten ihre Prin­zi­pien nicht nur für Prä­sen­ta­tio­nen von Din­gen und Kunst­wer­ken, son­dern auch für Lehr­kon­zepte und Erkennt­nis­mo­delle reak­ti­viert werden?

Das Sym­po­sium fragt danach, wel­che rea­len und uto­pi­schen Modelle der Welt­er­kennt­nis im All­ge­mei­nen und für eine Kunst­hoch­schule im Beson­de­ren heute pro­duk­tiv zu machen wären. Könnte die Wun­der­kam­mer als Grund­lage für den Ent­wurf einer Kunst­hoch­schule gel­ten, deren expe­ri­men­telle künst­le­ri­sche For­schung auf Beob­ach­tung, Mate­ri­al­re­cher­che, Form- und Pro­jekt­ent­wick­lung basiert, für eine Schule, die durch Neu­gierde, Zwei­fel, Ver­such und Rea­li­sie­rungs­pro­zesse bestimmt wird? Wäre sie als Denk­fo­lie zu nut­zen für eine Insti­tu­tion jen­seits euro­zen­tri­scher Fokus­sie­run­gen und Sys­te­ma­ti­sie­run­gen, die nach wie vor mit der Tren­nung der Dis­zi­pli­nen und der diese beglei­ten­den Gewerke ein­her­ge­hen? Inwie­fern ließe sich die für die Wun­der­kam­mern kenn­zeich­nende ars com­bi­na­to­ria heute wei­ter den­ken im Sinne einer trans­dis­zi­pli­nä­ren Vernetzung?

Kon­zi­piert und mode­riert wird das Sym­po­sium von Nike Bätz­ner, Pro­fes­so­rin für Kunst­ge­schichte an der Burg Gie­bi­chen­stein Kunst­hoch­schule Halle, zusam­men mit Sara Burk­hardt, Pro­fes­so­rin für Didak­tik der bil­den­den Kunst, Antje Dudek und Diet­mar Koh­ler, beide wis­sen­schaft­li­che Mitarbeiter.

Anmel­dung unter:

Pro­gramm

Frei­tag, 5. Juni 2015

Ort: Francke­schen Stif­tun­gen zu Halle, His­to­ri­sches Wai­sen­haus, Francke­platz 1, Halle (Saale)

Füh­rung

• 11 Uhr: Rund­gang durch die Aus­stel­lung Asso­zia­ti­ons­raum Wun­der­kam­mer in den Francke­schen Stif­tun­gen, Füh­rung: Nike Bätz­ner, Kura­to­rin der Ausstellung

Ort: Volks­park Halle, Schleif­weg 8a, Halle (Saale)

Vor­träge und Diskussionen

• 14 Uhr: Nike Bätz­ner (Halle): Stu­diolo – Wun­der­kam­mer – Hoch­schule: Orte einer ars combinatoria?

• 14.30 Uhr: Wolf­gang Ull­rich (Leip­zig): Roland Bart­hes als Koralle – oder: Eine Kri­tik des Assoziierens

• 15.30 Uhr: Donna Roberts (Hel­sinki): The Case of Jan Švank­ma­jer: Ima­gi­ning, Tou­ch­ing, and Collecting

• 16.15 Uhr: Ingo Uhlig (Halle/Münster): Uni­ver­sa­li­tät – epistemisch/ästhetisch

• 17.15 Uhr: Diet­mar Rübel (Dres­den): Hanne Dar­bo­vens The­sau­ros am Burg­berg. Ein Schatz­haus mate­ri­el­ler und imma­te­ri­el­ler Zeugnisse

• 18.00 Uhr: com­ing­ho­me­funk­tion life aus Kasachstan

• 18.15 Uhr: Abschlussdiskussion

Sams­tag, 6. Juni 2015

Ort: Volks­park Halle, Schleif­weg 8a, Halle (Saale)

Füh­rung, Vor­träge und Diskussionen

• 10 Uhr: Rund­gang durch die Aus­stel­lung Pro­fes­so­ren und Pro­fes­so­rin­nen der BURG aus Kunst und Design anti­zi­pie­ren, ant­wor­ten, bauen… im Volks­park, Füh­rung: Jule Reu­ter, Kura­to­rin der Ausstellung

• 11.15 Uhr: Mario Urlaß (Hei­del­berg): Außer­ge­wöhn­lich. Vom Stau­nen und Wun­dern in künst­le­ri­schen Bildungsprozessen

• 12 Uhr: Sara Burk­hardt (Halle): Die Kam­mer öff­nen. Ver­schie­bun­gen, Ver­flech­tun­gen und For­mate der Vermittlung

• 14 Uhr: Ulrike Gross­arth (Dres­den): Eine Aka­de­mie in Lublin

• 14.45 Uhr: Ben­ja­min Meyer-Krahmer (Leip­zig): „Kon­stel­la­tio­nen von Arte­fak­ten“ – Der Essay als Erkennt­nis­mo­dell zwi­schen Kunst und Wissenschaft

• 16.15 Uhr: Diet­mar Koh­ler (Halle): Fra­gen statt Ant­wor­ten. Kunst­ge­schicht­li­che Lehre als Realienunterricht

• 16.45 Uhr: Sebas­tian Löwe (Ber­lin): Das Unbe­ha­gen der Welt­er­klä­rung. Mög­lich­kei­ten und Gren­zen von herr­schafts­kri­ti­schem Wis­sen im Rah­men des trans­dis­zi­pli­nä­ren Kunst­pro­jekts ufo-Universität

• 17.15 Uhr: Abschlussdiskussion

Wei­tere Infor­ma­tio­nen fin­den Sie unter:

100.burg-halle.de

www.francke-halle.de

www.burg-halle.de