ALTE BIBELN IN 100 SPRACHEN - Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek

Franckesche Stiftungen, Innenhof_Foto: Falk Wenzel
Franckesche Stiftungen, Innenhof_Foto: Falk Wenzel

Die Bibel in der Gesamt­heit ihrer Texte ist das am häu­figs­ten über­setzte Buch der Welt. In der Biblio­thek der Francke­schen Stif­tun­gen sind allein Bibeln in etwa 100 Spra­chen über­lie­fert. Eine aus­ge­suchte Aus­wahl stellt die Kabi­nett­aus­stel­lung „Alte Bibeln in 100 Spra­chen“ im The­men­jahr der Refor­ma­ti­ons­de­kade „Refor­ma­tion und die Eine Welt“ vor.

Deut­sche, eng­li­sche, fin­ni­sche, let­ti­sche, grie­chi­sche, hebräi­sche, est­ni­sche, kir­chens­la­wi­sche, pol­ni­sche, tsche­chi­sche, tami­li­sche, por­tu­gie­si­sche, jid­di­sche, sor­bi­sche, däni­sche, islän­di­sche, grön­län­di­sche, tata­ri­sche, osmanisch-türkische, ara­bi­sche, chi­ne­si­sche, oder japa­ni­sche Bibeln zäh­len zu den Über­set­zun­gen, die in der Biblio­thek der Francke­schen Stif­tun­gen auf­be­wahrt wer­den. Die wich­tigste ist sicher das Sep­tem­ber­tes­ta­ment Mar­tin Luthers, wel­ches er im Dezem­ber 1521 auf der Wart­burg aus dem Grie­chi­schen in die deut­sche Spra­che über­trug. Am 21. Sep­tem­ber 1522 war der Druck der 3000 heute „Sep­tem­ber­tes­ta­ment“ genann­ten Exem­plare abge­schlos­sen. Der erste deutsch­spra­chige Bibel­druck in Nord­ame­rika aus dem Jahr 1743 stützte sich bereits auf die am Hal­le­schen Wai­sen­haus her­aus­ge­ge­bene Bibel der Can­stein­schen Bibel­an­stalt. In der Vor­rede heißt es: “Man hat die Hal­li­sche Bie­bel und zwar die 34ste Edi­tion [von 1738] vor sich genom­men, erst­lich weil sie sehr reich von Par­al­le­len (Anwei­sun­gen) ist. Zwey­tens, weil man geglaubt, daß sie die wenigste Druck­feh­ler in sich halte, weil der Satz ste­hen bleibt.”

Der Pie­tis­mus war schon im Ursprung eine Bibel­be­we­gung. In klei­nen pri­va­ten Krei­sen, den soge­nann­ten Koven­ti­keln, tra­fen sich die Anhän­ger, um gemein­sam die Bibel zu lesen. 1710 wurde am Hal­le­schen Wai­sen­haus die erste Bibel­an­stalt der Welt, die Can­stein­sche Bibel­an­stalt gegrün­det. August Her­mann Francke folgte damit der grund­le­gen­den refor­ma­to­ri­schen For­de­rung, jedem eine Bibel an die Hand zu geben. Dank ihres weit gespann­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz­werks und ihrer inter­na­tio­na­len Kon­takte tru­gen die Hal­le­schen Pie­tis­ten mittel- und unmit­tel­bar zu Bibel­über­set­zun­gen in zahl­rei­chen Spra­chen bei. Pro­mi­nen­tes­tes Bei­spiel ist die im däni­schen Kolo­ni­al­ge­biet Tran­que­bar in Süd­ost­in­dien gedruckte Bibel in tami­li­scher Spra­che, die auf der Über­set­zer­tä­tig­keit der von Halle dort­hin aus­ge­sand­ten Mis­sio­nare Bar­tho­lo­mäus Zie­gen­balg (1682-1719), Johann Ernst Gründ­ler (1677-1720) und Ben­ja­min Schultze (1689-1760) beruht.

Die meis­ten Bibel­über­set­zun­gen ent­stan­den durch die vom Pie­tis­mus geprägte, mis­sio­na­risch sehr aktive Herrn­hu­ter Brü­der­ge­meine. Viele ihrer Über­set­zun­gen wur­den durch die 1804 gegrün­dete, öku­me­ni­sche „Bri­ti­sche und Aus­län­di­sche Bibel­ge­sell­schaft“ (Bri­tish and For­eign Bible Society) ver­öf­fent­licht und welt­weit ver­brei­tet. Sie war auch der Vor­läu­fer wei­te­rer, unter dem Ein­fluss der Erwe­ckungs­be­we­gung Anfang des 19. Jahr­hun­derts in Deutsch­land ent­stan­de­ner Bibel­ge­sell­schaf­ten. In der Folge erhielt die Can­stein­sche Bibel­an­stalt im Tausch Bibeln in zahl­rei­chen Spra­chen, die bis heute in der Biblio­thek der Francke­schen Stif­tun­gen auf­be­wahrt werden.

Mehr Infor­ma­tio­nen unter www.francke-halle.de