Lyonel Feininger: Paris 1912. Die Rückkehr eines verlorenen Gemäldes

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Stadt Halle (Saale), Thomas Ziegler
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Stadt Halle (Saale), Thomas Ziegler

Das Auf­tau­chen eines bis­her als zer­stört gel­ten­den Gemäl­des von Lyo­nel Fei­nin­ger ist für das Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle (Saale) Anlass zu einer Kabi­nett­aus­stel­lung, die im Rah­men des Ver­bund­pro­jek­tes „Große Pläne! Die ange­wandte Moderne in Sachsen-Anhalt 1919–1933“ statt­fin­det (www.grosse-plaene.de).
Die Ent­ste­hung des Gemäl­des An der Seine, Paris fällt 1912 in eine Zeit des Umbruchs, als Lyo­nel Fei­nin­ger zu dem Ver­tre­ter der Moderne wurde, als den man ihn heute welt­weit schätzt.

In der Stadt an der Seine hatte er am 7. April 1907 sein ers­tes Ölbild geschaf­fen. Waren die ers­ten Gemälde noch am Neo­im­pres­sio­nis­mus ori­en­tiert, so erfolgte schon am Ende des Jah­res 1907 ein radi­ka­ler Neu­an­fang. Im Rück­griff auf das Figu­ren­ta­bleau sei­ner eige­nen Kari­ka­tu­ren und in Kennt­nis der Male­rei der Fau­ves erar­bei­tete er eine erste eigen­stän­dige Bild­spra­che.
Bei sei­ner Rück­kehr 1911 nach Paris zeich­nete Fei­nin­ger erneut aus­gie­big in der Stadt. Beson­ders ange­tan schien er vom leb­haf­ten Trei­ben beim Ent­la­den der an der Seine ver­täu­ten Fracht­schiffe, wel­ches er in zahl­rei­chen Skiz­zen fest­hielt. Diese nutzte er 1912 für die Kom­po­si­tion des Gemäl­des An der Seine, Paris. Das Bild wur­zelt jedoch noch tief in der figu­ra­ti­ven Schaf­fens­phase der zurück­lie­gen­den Jahre, sodass Fei­nin­ger in der Folge inten­siv ver­suchte, die Kom­po­si­tion ent­spre­chend sei­nen neuen sti­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen umzu­ar­bei­ten. Vom Schei­tern die­ses Unter­fan­gens berich­tet die neue Aus­stel­lung im Kunst­mu­seum des Lan­des Sachsen-Anhalt – aber auch davon, wie Fei­nin­ger zu Fei­nin­ger wurde.

Galt es über Jahr­zehnte als zer­stört, hat sich das Werk erstaun­li­cher­weise bis heute in Pri­vat­be­sitz erhal­ten. Anläss­lich des 60. Todes­ta­ges des Künst­lers in die­sem Jahr prä­sen­tiert das Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle (Saale) den spek­ta­ku­lä­ren Fund, der einer­seits auf ein­drucks­volle Weise von Fei­nin­gers Rin­gen mit die­sem Gemälde zeugt und ande­rer­seits das Ver­ständ­nis für seine künst­le­ri­sche Ent­wick­lung zu ver­tie­fen ver­mag. Eine Beson­der­heit der Aus­stel­lung besteht darin, dass sie der Prä­sen­ta­tion der Ergeb­nisse der kunst­tech­no­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen einen eige­nen Bereich ein­räumt. Mit­hilfe mate­ri­al­ana­ly­ti­scher und strah­len­dia­gnos­ti­scher Unter­su­chun­gen (Infrarot-, Ultraviolett- und Rönt­gen­strah­len), sti­lis­ti­scher Kri­te­rien und der Aus­wer­tung doku­men­ta­ri­scher Quel­len lie­ßen sich die Ver­än­de­run­gen, denen das Bild unter­wor­fen war, in ihrer Abfolge rekon­stru­ie­ren, die zugleich Ein­blick in Fei­nin­gers Arbeits­weise und den Wan­del sei­ner Mal­tech­nik gewäh­ren. Dies alles wird dem Besu­cher in einer Kabi­nett­aus­stel­lung mit Leih­ga­ben aus Deutsch­land und den USA sowie doku­men­ta­risch und medial anschau­lich und nach­voll­zieh­bar prä­sen­tiert sowie im beglei­ten­den Kata­log aus­führ­lich dokumentiert.

Mit die­sem außer­ge­wöhn­li­chen Aus­stel­lungs­pro­jekt beto­nen wir ein­mal mehr, die beson­dere Ver­bin­dung, die das Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle (Saale) zu Leben und Werk des berühm­ten Bauhaus-Meisters Lyo­nel Fei­nin­ger hat. Hier am Ort schuf er 1929 bis 1931 sei­nen her­aus­ra­gen­den Halle-Zyklus und 85 Jahre spä­ter kön­nen wir mit­tels eines frü­hen Gemäl­des einen ein­ma­li­gen Ein­blick in den krea­ti­ven Schaf­fens­pro­zess des Künst­lers gewäh­ren“, betont Muse­ums­di­rek­tor, Tho­mas Bauer-Friedrich, die beson­dere Bedeu­tung von Fei­nin­gers Werk wie auch des Aus­stel­lungs­pro­jek­tes für Halle.
Beglei­tend erscheint ein Kata­log, der wäh­rend der Aus­stel­lungs­dauer an der Muse­ums­kasse zum Vor­zugs­preis von 15 Euro erwor­ben wer­den kann.

Ein­tritt:
Dau­er­aus­stel­lung 7 € | erm. 5 €
Lyo­nel Fei­nin­ger. Paris 1912: 4 € | erm. 2 €
Ein­tritt frei für Kin­der und Jugend­li­che bis zum voll­en­de­ten 18. Lebensjahr

Wei­tere Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie unter www.kunstmuseum-moritzburg.de