Kunstmuseum Moritzburg: Fotoausstellung REFLECTIONS OF INDIA eröffnet heute

Manfred Paul: o.T. (aus der Serie 
„Indien 1989“), 1989/2016, 
Silbergelatineabzug/ 
Vintage Print,
25 x 36,5 cm © 2017 Manfred 
Paull

Vom 24. Juli bis 15. Okto­ber 2017 zeigt das Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle Foto­gra­fien von Man­fred Paul, Man­jari Sharma und André Wag­ner.
Zu allen Zei­ten ent­wi­ckelte sich die Kunst maß­geb­lich aus dem inter­na­tio­na­len Aus­tausch der Künst­ler unter- und mit­ein­an­der und erfolgte künst­le­ri­sche Erneue­rung ange­regt durch die Rezep­tion und Wei­ter­ent­wick­lung des andern­orts Gese­he­nen, Gehör­ten, Erleb­ten oder Erfah­re­nen. Es sind vor allem die Künste, die grenz­über­schrei­tend in jeder Hin­sicht agie­ren: topo­gra­fisch, geo­gra­fisch, ästhe­tisch, reli­giös, inter­kul­tu­rell und wis­sen­schaft­lich. Ins­be­son­dere die Kunst der Moderne ist ohne die­ses grenz-, gen­reund dis­zi­plin­über­grei­fende Ver­ständ­nis nicht vor­stell­bar. Indien ist die Wiege von Welt­kul­tu­ren und -reli­gio­nen, deren Weis­heits­leh­ren und reli­giöse Prak­ti­ken seit Jahr­hun­der­ten in das Abend­land aus­ge­strahlt und immer wie­der nach geis­ti­ger Befrei­ung und Erleuch­tung Suchende ange­zo­gen haben.

In der Aus­stel­lung Reflec­tions of India ist mit dem jun­gen Foto­gra­fen André Wag­ner (* 1980 in Burgstädt) ein Künst­ler ver­tre­ten, der von sich sagt, dass Indien, wo er sich seit 2004 immer wie­der für län­gere Zeit auf­hält, sein Den­ken und sein Sehen ver­än­dert hat. Kon­zen­triert auf die Kraft reli­giö­ser Tra­di­tio­nen, die Men­schen­men­gen aus allen Schich­ten der Bevöl­ke­rung in Bewe­gung ver­set­zen, hat er sich in den letz­ten Jah­ren ver­stärkt Pil­gern und hei­li­gen Orten zuge­wandt. Die in Halle prä­sen­tier­ten groß­for­ma­ti­gen Foto­ta­bleaus über­set­zen mit der moderns­ten foto­gra­fi­schen Tech­nik und der Ver­wen­dung von Moment- und Lang­zeit­auf­nahme die der hin­du­is­ti­schen Reli­gion inne­woh­nende über­zeit­li­che Dimen­sion in das foto­gra­fi­sche Bild und füh­ren in eine Welt, in der sich Tra­di­tion und Gegen­wart, Zeit und Raum überlagern.

Man­fred Paul (* 1942 in Schra­plau) reiste 1989 mit einer Gruppe von Künst­lern aus der DDR nach Indien. Wäh­rend der Reise, die durch die Gan­gesebene führte, unter­nahm er ohne Beglei­tung Aus­flüge in klei­nere Städte, in Vor­orte und in die länd­li­che Umge­bung. Mit dem­sel­ben für ver­ge­hende Momente sen­si­bi­li­sier­ten Blick, mit dem er in Ber­lin oder Dres­den Lebens­spu­ren und ver­gäng­li­che Kon­stel­la­tio­nen all­täg­li­cher Hand­lun­gen fest­hielt, nahm er in Indien die Men­schen unab­hän­gig­von ihrem sozia­len Sta­tus, all­täg­li­ches Leben, Situa­tio­nen und Orte wahr und näherte sich ihnen in der ihm eige­nen unauf­dring­li­chen Weise. Das far­ben­frohe Indien wird in Pauls Foto­gra­fien zu einer „Begeg­nung mit dem Leben, mit einer Urform des Mensch­seins“, die ihn nach eige­ner Aus­sage erschüt­terte und ihn sen­si­bi­li­sierte „für das Ver­schwin­den des Augenblicklichen“.

Die in Indien gebür­tige und in ihrer Jugend nach New York über­ge­sie­delte Foto­gra­fin Man­jari Sharma (* 1979 in Mum­bay) holt mit den insze­nier­ten Bil­dern popu­lä­rer hin­du­is­ti­scher Gott­hei­ten das ihr im Inne­ren ver­traute Lebens­ge­fühl ihrer Hei­mat in eine sich glo­bal ori­en­tie­rende west­li­che Kul­tur. Der Titel ihrer in der Aus­stel­lung gezeig­ten Foto-Serie Darshan ist ein viel­schich­ti­ger Begriff: Er kann sowohl die Begeg­nung zwi­schen Per­so­nen mit posi­ti­ver Aus­wir­kung mei­nen als auch eine segens­rei­che Ver­sen­kung in die Anschau­ung einer Gott­heit oder ihrer Abbilder.

Zusätz­lich zu den Bil­dern wer­den eine Reihe von Dar­stel­lun­gen indi­scher Land­schaf­ten, Hei­lig­tü­mer und Monu­mente gezeigt, die Ende des 18. Jahr­hun­derts von eng­li­schen Malern im Auf­trag der East-India-Company, der Ver­tre­te­rin der bri­ti­schen Kolo­ni­al­macht, als Aqua­relle ent­stan­den. Wei­ter­hin sind indi­sche Arte­fakte und Schmuck und eine Gruppe von Bud­dahs zu sehen.

REFLECTIONS OF INDIA
Man­fred Paul, Man­jari Sharma, André Wag­ner | Foto­gra­fien
24. Juli 2017–15. Okto­ber 2017

Kunst­mu­seum Moritz­burg Halle (Saale)
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
www.kunstmuseum-moritzburg.de

Ein­tritt:
7 Euro | erm. 5 Euro
Öff­nungs­zei­ten:
täg­lich 10–18 Uhr, Mitt­woch geschlossen

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