Franckesche Stiftungen

Ein täto­wier­ter Fisch, ein indi­sches Göt­zen­käst­chen, die älteste erhal­tene India­ner­pfeife in Europa und andere Merk­wür­dig­kei­ten in der Kunst- und Natu­ra­li­en­kam­mer zeu­gen noch heute vom uni­ver­sa­len Bil­dungs­in­ter­esse an den Schu­len der Francke­schen Stif­tun­gen zu Halle. Als umfas­sen­des Bildungs- und Sozi­al­werk wur­den sie vor über 300 Jah­ren von dem Theo­lo­gen und Päd­ago­gen August Her­mann Francke gegrün­det. Erst­mals sollte hier ein viel­glied­ri­ges Schul­sys­tem Kin­der unab­hän­gig ihres sozia­len Stan­des för­dern und durch Bil­dung die Vor­aus­set­zung für ein selbst­ver­ant­wort­li­ches Leben im Dienste der Gesell­schaft schaf­fen. Inner­halb weni­ger Jahr­zehnte avan­cier­ten Franckes Schu­len zu einer der bedeu­tends­ten pro­tes­tan­ti­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen Euro­pas, zu einem „Pflanz­gar­ten des Glau­bens“, des­sen „Früchte“ zur rea­len Ver­bes­se­rung in allen Stän­den und allen Tei­len der Welt bei­tra­gen soll­ten. Franckes Reform­ideen beein­druck­ten die Herr­scher füh­ren­der euro­päi­scher Mächte und strahl­ten aus nach ganz Europa, Indien und Nord­ame­rika. Das voll­stän­dig erhal­tene baro­cke Gebäu­de­en­sem­ble der Schul­stadt lädt heute wie­der Besu­cher aus der gan­zen Welt nach Halle ein.

Das schloss­ar­tige His­to­ri­sche Wai­sen­haus ist damals wie heute das weit­hin sicht­bare Zen­trum der Francke­schen Stif­tun­gen. Hier erwar­ten den Besu­cher Dau­er­aus­stel­lun­gen zur Geschichte der Schul­stadt sowie regel­mä­ßige Wech­sel­aus­stel­lun­gen. Eine beson­dere Schatz­kam­mer öff­net im Dach­ge­schoss ihre Türen – die ein­zige authen­tisch erhal­tene Wun­der­kam­mer bür­ger­li­chen Ursprungs in Europa. Sie gibt einen leben­di­gen Ein­blick in den Wis­sens­kos­mos des Barock: Über 3.000 Natu­ra­lien, Kurio­si­tä­ten und Arte­fakte aus aller Welt sind in den ori­gi­na­len und teils reich ver­zier­ten Samm­lungs­schrän­ken ange­ord­net. Pas­siert man die Kunst- und Natu­ra­li­en­kam­mer, erreicht man über eine schmale höl­zerne Stiege den Altan, der zu Franckes Zei­ten den Schü­lern zur Him­mels­be­ob­ach­tung diente. Von hier aus bie­tet sich nicht nur ein groß­ar­ti­ges Stadt­pan­orama, son­dern ebenso ein wei­ter Blick über die Stif­tun­gen und den his­to­ri­schen Lin­den­hof, der von einer Reihe impo­san­ter Gebäude gesäumt wird. Dar­un­ter das „Lange Haus“, dem mit 115 Metern und sechs Eta­gen größ­ten Fach­werk­wohn­haus der Welt, und das älteste noch erhal­tene, frei­ste­hende Biblio­theks­zweck­ge­bäude, deren ein­zig­ar­tige Kulis­sen­bi­blio­thek schon Johann Wolf­gang von Goe­the bewun­derte. Wie Thea­ter­ku­lis­sen ragen die mar­mo­rier­ten Bücher­re­gale in den Biblio­theks­saal hin­ein und fas­sen die erstaun­lichs­ten Schätze, so etwa die erste deut­sche Bibel, die in Ame­rika gedruckt wurde.

Die Sehens­wür­dig­kei­ten befin­den sich inmit­ten eines leben­di­gen moder­nen Bil­dungs­kos­mos bis heute mit Schu­len und Inter­na­ten, aber auch mit Uni­ver­si­täts­cam­pus, klei­nen Parks, einer Buch­hand­lung und vie­lem mehr. Umfang­rei­che muse­ums­päd­ago­gi­sche Ange­bote für Kin­der und Erwach­sene, Ver­an­stal­tungs­hö­he­punkte mit lan­gen Tagen und Näch­ten sowie das alle zwei Jahre im Juni statt­fin­dende His­to­ri­sche Lin­den­blü­ten­fest berei­chern jeden Aus­flug in die Francke­schen Stiftungen.

HIGHLIGHTS 2017

bis 15.10.2017
Alte Bibeln in 100 Spra­chen
Kabi­nett­aus­stel­lung in der His­to­ri­schen Bibliothek

bis 26.11.2017
Du bist frei. Refor­ma­tion für Jugend­li­che
Sonderausstellung

19.05.–26.11.2017
Wort­wür­fel
Sym­bo­li­sches Bau­werk und Kunstaktionen

26.10.2017–08.04.2018
Die ora­to­ri­sche Biblio­thek des König­li­chen Päd­ago­gi­ums
Kabi­nett­aus­stel­lung in der His­to­ri­schen Bibliothek

22.11.2017
Finis­sage der Son­der­aus­stel­lung „Du bist frei. Refor­ma­tion für Jugendliche“

Besu­chen Sie auch die Inter­net­sei­ten der Francke­schen Stif­tun­gen.