Zum 200. Todestag von Johann Christian Reil: Dreiteilige Ausstellung zeigt Aspekte aus Leben und Werk

J. Ch. Reil-Ausstellung, Bild: UNI Halle, M. Deutsch
J. Ch. Reil-Ausstellung, Bild: UNI Halle, M. Deutsch

Johann Chris­ti­an Reil - bedeu­ten­der Medi­zi­ner, Begrün­der der Psych­ia­trie, Uni­ver­si­täts-gelehr­ter, Stadt­phy­si­kus, prä­gen­der Bür­ger der Stadt Hal­le. Anläss­lich sei­nes 200. Todes-tags wür­digt ihn die Ver­ei­ni­gung der Freun­de und För­de­rer der Mar­tin-Luther Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg (MLU) in Koope­ra­ti­on mit der Uni­ver­si­tät Hal­le mit der Aus­stel­lung
„Das geheim­nis­vol­le Organ - Die Vor­stel­lung über Hirn und See­le von Johann Chris­ti­an Reil bis heu­te“ im Uni­ver­si­täts­mu­se­um und im Kunst­fo­rum Hal­le. Als drit­ter Ort kommt die Stif­tung Moritz­burg hin­zu, die die Aus­stel­lung „rei­zen“ kon­zi­piert hat.

Das Uni­ver­si­täts­mu­se­um zeigt Reil als Wis­sen­schaft­ler und zen­tral als Hirn­ana­tom. Die Ergeb­nis­se sei­ner Arbeit waren im frü­hen 19. Jahr­hun­dert maß­ge­bend und bil­de­ten die Basis für die wei­te­re For­schung auf die­sem Gebiet. Er publi­zier­te zudem mit dem „Archiv für die Phy­sio­lo­gie“ die ers­te phy­sio­lo­gi­sche Fach­zeit­schrift der Welt. Ver­dient mach­te er sich auch, indem er sich bei der Behand­lung psy­chisch Kran­ker für deren men­schen-wür­di­ge Unter­brin­gung ein­setz­te und den übli­chen Umgang mit „Irren“ zu sei­ner Zeit scharf kri­ti­sier­te. So sind im Uni­ver­si­täts­mu­se­um Prä­pa­ra­te zu sehen, die heu­te in den Meckel­schen Samm­lun­gen bewahrt wer­den, wie Hirn­prä­pa­ra­te, die die soge­nann­te „Reil­sche Insel“ zei­gen. Ergänzt wird die Schau durch zahl­rei­che Ori­gi­nal­do­ku­men­te, etwa Reils Ein­trag in die Matri­kel der Uni­ver­si­tät, sei­ne Dis­ser­ta­ti­on und die Pro­mo­ti­ons-urkun­de. Hin­zu kom­men Kunst­ob­jek­te, die zu Ehren Reils gefer­tigt wur­den, wie die Por­trät­plas­tik aus Mar­mor, geschaf­fen von Ernst Fried­rich August Riet­schel. Die Aus­stel­lung im Uni­ver­si­täts­mu­se­um ist ab Frei­tag, 22. Novem­ber 2013, zu sehen und läuft bis zum 20. Febru­ar 2014.

Reil als prak­ti­zie­ren­der Arzt, Stadt­phy­si­kus, als Unter­neh­mer und prä­gen­der Bür­ger der Stadt Hal­le steht im Zen­trum der Schau im Kunst­fo­rum der Saa­le­spar­kas­se. Ab dem 10. Dezem­ber 2013 bis zum 23. Febru­ar 2014 steht dort Reils Enga­ge­ment für die Stadt im Mit­tel­punkt. So wirk­te er unter ande­rem aktiv in der Frei­mau­rer­lo­ge „Zu den drei Degen“ mit, grün­de­te ein Heil- und Kur­bad und setz­te sich dafür ein, dass Hal­le ein fes­tes Thea­ter bekam, um den Kur­be­trieb dadurch attrak­ti­ver zu gestal­ten. So präg­te er aus medi­zi­ni­schen Über­le­gun­gen her­aus auch das kul­tu­rel­le Leben der Stadt maß­geb­lich.
„Es ist also auch heu­te gar nicht ver­wun­der­lich, dass es in Hal­le zahl­rei­che Erin­ne­rungs-orte in der gan­zen Stadt gibt, die sei­nen Namen tra­gen, zum Bei­spiel der Reils­berg, wo auch sein Grab ist, das Reil­eck, die Reil­stra­ße, die Rei­lapo­the­ke, und noch vie­le mehr“, sagt Dr. Ralf-Tors­ten Spe­ler, Kura­tor der Aus­stel­lung „Das geheim­nis­vol­le Organ“ und Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Freun­de und För­de­rer der MLU. Im Kunst­fo­rum wer­den daher zahl­rei­che Bele­ge für eben jenes Wir­ken Reils - als Stadt­phy­si­kus, also als Amts­arzt der Stadt, als ver­mö­gen­der Bür­ger und Kul­tur­freund  gezeigt, so zum Bei­spiel Doku­men­te zum Thea­ter und zum Kur­bad. Im Rah­men der Ver­nis­sa­ge am 8. Dezem­ber wird auch der umfang­rei­che Kata­log zur Aus­stel­lung erst­mals vor­ge­stellt.

Einen wei­te­ren Zugang zu Reils Wir­ken schafft schließ­lich die Stif­tung Moritz­burg, Kunst­mu­se­um des Lan­des Sach­sen-Anhalt, deren Aus­stel­lung  eben­falls ab 22. Novem­ber 2013 ihre Türen öff­net. Hier nähern sich bis zum 6. Janu­ar 2014  zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler der Per­son Reils, aber vor allem sei­nem zen­tra­len For­schungs­ge­gen­stand, dem mensch-lichen Gehirn. So ließ sich Dag­mar Vara­dy zu einem Expe­ri­men­tal­film inspi­rie­ren, der Auf­nah­men aus dem Wör­lit­zer Park mit gespro­che­nen Pas­sa­gen aus einer der Schrif­ten Reils kom­bi­niert. Die Künst­ler Richard Long, Lud­ger Ger­des, Wolf­gang Mül­ler und Anto­nio Mura­do  bear­bei­te­ten Reprints his­to­ri­scher Ansich­ten des Parks, die in einen räum­li­chen Dia­log mit dem Film tre­ten sol­len.

Aus­stel­lungs­or­te:

Uni­ver­si­täts­mu­se­um
Löwen­ge­bäu­de, Uni­ver­si­täts­platz 11
06108 Hal­le
Öff­nungs­zei­ten:
22. Novem­ber 2013 bis 20. Febru­ar 2014
Diens­tag bis Frei­tag: 11 bis 13 und 14 bis 18 Uhr

Stif­tung Moritz­burg Hal­le (Saa­le)
Kunst­mu­se­um des Lan­des Sach­sen-Anhalt
Frie­de­mann-Bach-Platz 5
06108 Hal­le (Saa­le)
Öff­nungs­zei­ten:
22. Novem­ber 2013 bis 6. Janu­ar 2014
Diens­tag von 10 bis 19 Uhr
Mitt­woch bis Sonn­tag und an Fei­er­ta­gen von 10 bis 18 Uhr

Kunst­fo­rum Hal­le
Bern­bur­ger Stra­ße 8
06108 Hal­le (Saa­le)
Öff­nungs­zei­ten:
10. Dezem­ber 2013 bis 23. Febru­ar 2014
Diens­tag, Mitt­woch, Frei­tag von 14 bis 17 Uhr
Don­ners­tag von 14 bis 19 Uhr
Sa, So und an Fei­er­ta­gen von 11 bis 17 Uhr