WEGE IN DEN NORDEN. Der hallische Pietismus in den skandinavischen Ländern des 18. Jahrhunderts

Franckesche Stiftungen auf dem Weg zum UNESCO Welterbe

Die Bezie­hun­gen des Hal­le­schen Pie­tis­mus August Her­mann Franckes in den skan­di­na­vi­schen Raum zei­gen, wie wich­tig die Unter­stüt­zung Adli­ger für die welt­wei­te Umset­zung von Franckes Reform­plä­nen war. Dem sich aus­brei­ten­den Pie­tis­mus in Däne­mark stand der däni­sche König Fried­rich IV. (1671-1730) tole­rant gegen­über. Er mach­te ihn sich sogar für den Auf­bau sei­ner Mis­si­ons­sta­ti­on im süd­in­di­schen Tran­que­bar zu Nut­ze. Sein Sohn, der Kron­prinz und spä­te­re König Chris­ti­an VI. (1699-1746) wur­de im pie­tis­ti­schen Geist erzo­gen und mach­te mit sei­nem Regie­rungs­an­tritt 1730 den Pie­tis­mus zur bestim­men­den theo­lo­gi­schen Rich­tung. Hier­bei wur­de er von sei­nem Cou­sin Chris­ti­an Ernst zu Stol­berg-Wer­ni­ge­ro­de (1691-1771) tat­kräf­tig unter­stützt.

Des­sen Ver­bin­dun­gen nach Hal­le zeigt die Jah­res­aus­stel­lung im His­to­ri­schen Wai­sen­haus. Anders als in Däne­mark fand der Hal­le­sche Pie­tis­mus sei­nen Weg nach Schwe­den über Russ­land: In der Schlacht bei Pol­ta­wa wur­den 15.000 schwe­di­sche Sol­da­ten, dar­un­ter 1.000 Offi­zie­re in rus­si­sche Gefan­gen­schaft genom­men und nach Sibi­ri­en ver­bannt. Über hal­le­sche Mit­tels­män­ner knüpf­ten sie einen engen Kon­takt zu August Her­mann Francke in Hal­le Nach ihrer Rück­kehr nach Schwe­den waren sie die ent­schei­den­den Beför­de­rer der Aus­brei­tung des Pie­tis­mus im schwe­di­schen König­reich. Die Kabi­nett­aus­stel­lung zeigt die­se engen Ver­bin­dun­gen anhand der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge nach Skan­di­na­vi­en auf und macht mit eini­gen der wich­tigs­ten Mit­tels­män­ner bekannt.

Sicht­ba­rer Aus­druck des Netz­wer­kes Franckes sind die nach hal­le­schem Vor­bild errich­te­ten Wai­sen­häu­ser, die Teil des Antrags auf Auf­nah­me der Francke­schen Stif­tun­gen in das UNESCO-Welt­erbe sind. 1727 wur­de in Kopen­ha­gen das neue König­li­che Wai­sen­haus nach hal­le­schem Vor­bild gegrün­det. Auch im schwe­di­schen Trond­heim ent­stand 1718 ein Wai­sen­haus nach dem Vor­bild der heu­ti­gen Francke­schen Stif­tun­gen in Hal­le.

Zur Eröff­nung der Kabi­nett­aus­stel­lung wird Prof. Dr. Jaku­bow­ski-Ties­sen in sei­nem Vor­trag the­ma­tisch in die Kabi­nett­aus­stel­lung ein­füh­ren und einen Über­blick geben über den Ein­fluss des Hal­le­schen Pie­tis­mus auf das dänisch-nor­we­gi­sche und das schwe­di­sche König­reich im 18. Jahr­hun­dert.

Kabi­nett­aus­stel­lung in der His­to­ri­schen Biblio­thek

28. Novem­ber 2014 – 12. April 2015

Ein­tritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kin­der bis 18 Jah­re frei

Eröff­nung am 27. Novem­ber 2014 um 18 Uhr

mit einem Vor­trag von Prof. Dr. Jaku­bow­ski-Ties­sen, Göt­tin­gen

Eng­li­scher Saal (Haus 26)

Ein­tritt frei