2019

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Termine vom 01.06.2019 bis 30.06.2019

  • Hieronymus B.

    01.06.2019, Oper

    Während ein vogelköpfiges Ungeheuer sich einen ganzen Mensch lebendig einverleibt und ein Schwein mit Habit zärtlich an einem Ohrläppchen knabbert, liegt eine Gruppe Nackter im schönsten Müßiggang Erdbeeren schmausend im sattesten Grün. Um sie herum merkwürdige Chimären zwischen Tier und Mensch; Landschaften aus Körperkonvoluten und merkwürdig surrealen Symbolen. Bei kaum einem Künstler steht der Körper als grotesker Leib zwischen Verzerrung, Transformation und Lust so ausdrucksstark im Zentrum wie bei Hieronymus Bosch. In seinen Werken existieren Höllenqualen und himmlische Verzückung nebeneinander. Seine komplexen Tableaus lassen sicher geglaubte Gegensätze wie schön und hässlich, eigen und fremd, tugend- oder sündhaft erodieren. Stattdessen zeigt er irdische und jenseitige Welten überbordender Spektakel.

    Die niederländische Choreografin Nanine Linning lässt die Bildwelten Boschs in ihrem Tanztriptychon Hieronymus B. in größter Opulenz lebendig werden. Das Künstlerduo Les Deux Garçons bringt im ersten und zweiten Teil lebensgroße Objekte aus den Werken des Künstlers auf die Bühne. In einer begehbaren choreografischen Ausstellung erleben die Zuschauer*innen das Ballett Rossa als Teufel und Dämonen, Narren und gequälte Seelen. Den Körper als virtuoses Wunderwerk zwischen Zerrissenheit und Aufbegehren stellt Nanine Linning im dritten Teil des Tanzabends in den Fokus. Ihre kraftvolle Choreografie ist den düsteren Höllenlandschaften aus Boschs Garten der Lüste nachempfunden. In ihrer zeitgenössischen Tanzsprache findet sie eine direkte physische Verbindung von mittelalterlichen Ikonen ins Hier und Jetzt, heutige Menschen mit ihren Sehnsüchten und Ängsten zeigend. Die Staatskapelle Halle spielt Werke von Händel, Purcell und Scarlatti sowie ein Auftragswerk des zeitgenössischen Komponisten Michiel Jansen, das diesen spannungsgeladenen Zeitensprung vollendet.

    Nanine Linning war bis zum Sommer 2018 künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der Dance Company Nanine Linning am Theater Heidelberg. Sie kreierte zahlreiche Uraufführungen und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Mit ihren multidisziplinären Arbeiten verlässt die Niederländerin ausgetretene theatrale Pfade und lässt Tanz nahtlos in Design, Video, Musik und bildende Kunst übergehen. Ihre extrem physischen Choreografien rekurrieren auf menschliche Instinkte, Begierden und Emotionen. Ihr Tanzabend Hieronymus B. feierte am 18. Januar 2015 anlässlich des 500. Todesjahres Boschs am Theater und Orchester Heidelberg seine Uraufführung, dort wurden in den Theaterwerkstätten auch Bühnenbild und Kostüme gefertigt „Ein Triumph“ schrieb die Fachzeitschrift Die deutsche Bühne und der Deutschlandfunk urteilte: „Wie das getanzt ist, mit welcher Kraft und Anmut, Expressivität und manchmal auch Demut, das ist sehr, sehr stark.“ Die Erfolgschoreografie, die für zahlreiche Vorstellungen vor ausverkauftem Haus sorgte, ist nun an der Oper Halle erstmals in Mitteldeutschland zu erleben.

    *Eine Produktion des Theaters und Orchesters Heidelberg, UA 18.01.2015, Theater Heidelberg, Koproduzent der Produktion war Stichting Jheronimus Bosch 500. Herstellung der Ausstattung in den Werkstätten des Theaters und Orchesters Heidelberg*

    Vorhang (Fotolia, vitaliy_melnik)

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  • Julius Cäsar in Ägypten

    02.06.2019, Oper

    Cäsar kam, sah und siegte. Oder doch nicht? Die Oper beginnt mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion: Cäsar landet an der Nilmündung, weil er sich mit seinem abtrünnigen Feldherrn, dem großen Pompejus wieder versöhnen will. Doch er kommt zu spät. Ägyptens ehrgeiziger König Ptolemäus hat dem römischen General voreilig den Kopf abschlagen lassen in der irrigen Hoffnung, damit in der kaiserlichen Gunst zu steigen. Er möchte alleiniger Stadthalter der Provinz werden und den Thron nicht länger mit seiner Schwester Cleopatra teilen. Als Julius Cäsar aus seiner Verachtung keinen Hehl macht, versucht Ptolemäus den Imperator zu ermorden. Die ganze „Operation Ägypten“ hätte Cäsar wahrscheinlich beim besten Willen nicht als Sieg verzeichnen können, wäre ihm nicht doch etwas gelungen, nämlich die Liebe der Königin zu erringen. Bei Händel hat Cleopatra nicht nur ein hübsches Näschen, sondern auch zwei der schönsten traurigen Koloratur-Arien der Welt: „Piangerò la sorte mia“ (Ich werde mein Schicksal beweinen) und „Se pietà di me non senti“ (Wenn du kein Mitleid mit mir hast). Die Musik erzählt eindrücklich von den Opfern, welche Kriegshandlungen und Machtpolitik fordern, gleichzeitig aber nimmt die Oper ihre eigenen Heroen auch satirisch auf’s Korn. Niemand konnte die Verflechtungen von Politik und Liebe, von Heldentum und Banalität besser in Töne umsetzen als Georg Friedrich Händel. Um den Humor und die Dramatik für ein großes Publikum aufzuschließen, hat sich das Inszenierungsteam entschlossen, die tragikomische Oper in deutscher Sprache aufzuführen.

    Der Musikalische Leiter Michael Hofstetter hat sich als Händel- und Gluck-Spezialist einen Namen gemacht und wurde schon mehrfach vom Fachmagazin Opernwelt als „Dirigent des Jahres“ nominiert. Sein Schaffen ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert. Die Händel-Interpretationen des Teams Konwitschny/Brade in Bad Lauchstädt und Halle waren in den 1980er Jahren bahnbrechend. Floridante, Rinaldo und Tamerlan erreichten schnell Kultstatus und internationales Lob. Dirigent, Regisseur und Bühnenbildner sind also nicht nur in Halle bestens bekannt. Als international renommierte Meister ihres Faches haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die charakterlich vielschichtigen Figuren auszuleuchten und dem Publikum diese schrägen Typen in all ihrer archaischen Sinnlichkeit und modernen Frechheit, in ihrem wahnwitzigen Egoismus und ihrer schier grenzenlosen Leidensfähigkeit nahezubringen.

    Vorhang (Fotolia, vitaliy_melnik)

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  • Julius Cäsar in Ägypten

    06.06.2019, Oper

    Cäsar kam, sah und siegte. Oder doch nicht? Die Oper beginnt mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion: Cäsar landet an der Nilmündung, weil er sich mit seinem abtrünnigen Feldherrn, dem großen Pompejus wieder versöhnen will. Doch er kommt zu spät. Ägyptens ehrgeiziger König Ptolemäus hat dem römischen General voreilig den Kopf abschlagen lassen in der irrigen Hoffnung, damit in der kaiserlichen Gunst zu steigen. Er möchte alleiniger Stadthalter der Provinz werden und den Thron nicht länger mit seiner Schwester Cleopatra teilen. Als Julius Cäsar aus seiner Verachtung keinen Hehl macht, versucht Ptolemäus den Imperator zu ermorden. Die ganze „Operation Ägypten“ hätte Cäsar wahrscheinlich beim besten Willen nicht als Sieg verzeichnen können, wäre ihm nicht doch etwas gelungen, nämlich die Liebe der Königin zu erringen. Bei Händel hat Cleopatra nicht nur ein hübsches Näschen, sondern auch zwei der schönsten traurigen Koloratur-Arien der Welt: „Piangerò la sorte mia“ (Ich werde mein Schicksal beweinen) und „Se pietà di me non senti“ (Wenn du kein Mitleid mit mir hast). Die Musik erzählt eindrücklich von den Opfern, welche Kriegshandlungen und Machtpolitik fordern, gleichzeitig aber nimmt die Oper ihre eigenen Heroen auch satirisch auf’s Korn. Niemand konnte die Verflechtungen von Politik und Liebe, von Heldentum und Banalität besser in Töne umsetzen als Georg Friedrich Händel. Um den Humor und die Dramatik für ein großes Publikum aufzuschließen, hat sich das Inszenierungsteam entschlossen, die tragikomische Oper in deutscher Sprache aufzuführen.

    Der Musikalische Leiter Michael Hofstetter hat sich als Händel- und Gluck-Spezialist einen Namen gemacht und wurde schon mehrfach vom Fachmagazin Opernwelt als „Dirigent des Jahres“ nominiert. Sein Schaffen ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert. Die Händel-Interpretationen des Teams Konwitschny/Brade in Bad Lauchstädt und Halle waren in den 1980er Jahren bahnbrechend. Floridante, Rinaldo und Tamerlan erreichten schnell Kultstatus und internationales Lob. Dirigent, Regisseur und Bühnenbildner sind also nicht nur in Halle bestens bekannt. Als international renommierte Meister ihres Faches haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die charakterlich vielschichtigen Figuren auszuleuchten und dem Publikum diese schrägen Typen in all ihrer archaischen Sinnlichkeit und modernen Frechheit, in ihrem wahnwitzigen Egoismus und ihrer schier grenzenlosen Leidensfähigkeit nahezubringen.

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  • Im Stein

    07.06.2019, Oper

    Clemens Meyers monumentaler Roman Im Stein brachte dem aus Halle stammenden und in Leipzig lebenden Autor den endgültigen Durchbruch als einem der international bedeutenden Schriftsteller unserer Zeit. In soghafter, schwindelerregender Sprache führt er in schmutzige Hinterzimmer, nächtliche Straßen, Abgründe und Seelen der Menschen einer fiktiven Großstadt, Eden-City, die mehr Hölle als Paradies ist. Seine Protagonisten: selbstbewusst ihre Lage analysierende Prostituierte, ein untergetauchtes Mädchen, Freier, ein alternder Karl Marx lesender Zuhälter, kleine und große Kriminelle. Sie stolpern durch das Labyrinth ihrer Umwelt und Sehnsüchte, immer auf der Suche nach dem guten Leben, einem Stück Gewinn vom großen Geld und Erlösung ihrer Seelen. Poetisch fremd und realistisch zugleich ist Im Stein eine Geschichte (ost)deutscher Verhältnisse des Hier und Jetzt – und führt gleichzeitig, mythologische Erzählungen des kollektiven Bewusstseins verschränkend, virtuos zu grundlegenden Fragen der globalisierten Gegenwart. Von der (realen) Aufdeckung eines kinderpornografischen Rings in Leipzig Anfang der 90er-Jahre ausgehend, findet der Roman eine intensive Sprache für das Intimste und im bürgerlichen Verständnis vermeintlich Unveräußerliche: Liebe, Erotik und (käufliche) Sexualität. Gezeichnet wird ein epochales Porträt einer urbanen Gesellschaft nach dem Scheitern der großen Utopien.

    Die Komponistin Brigitta Muntendorf ist für ihren intermedialen und Genregrenzen aufhebenden kompositorischen Ansatz bekannt und ausgezeichnet. Ihre Annäherung an einen Roman als Grundlage für ein neues großes Musiktheaterwerk an der Oper Halle unternimmt entsprechend eine zeitgenössische Neuauflage dieses Genres als kollaborative, montierte und hybride Form: Zusammen kommen Musik und Text, Dramatik, Show bzw. Performance und Film. Der Strom des Schreibflusses in Im Stein findet eine Übertragung in einen ekstatischen musikalischen Strom, der experimentelle Clubmusik ebenso integriert wie fulminante orchestrale Passagen und die gesamte Bandbreite der menschlichen Stimme. Als eine moderne Odyssee der Nacht und rauer Passionsweg der Gegenwart stellt sich das dritte Auftragswerk der Oper Halle in der Regie von Michael v. zur Mühlen auch den großen Themen der Operngeschichte von Aufstieg und Fall, Gier, Zärtlichkeit, Eros und Thanatos und Erlösungsphantasien in einer entzauberten Welt.

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  • Hieronymus B.

    09.06.2019, Oper

    Während ein vogelköpfiges Ungeheuer sich einen ganzen Mensch lebendig einverleibt und ein Schwein mit Habit zärtlich an einem Ohrläppchen knabbert, liegt eine Gruppe Nackter im schönsten Müßiggang Erdbeeren schmausend im sattesten Grün. Um sie herum merkwürdige Chimären zwischen Tier und Mensch; Landschaften aus Körperkonvoluten und merkwürdig surrealen Symbolen. Bei kaum einem Künstler steht der Körper als grotesker Leib zwischen Verzerrung, Transformation und Lust so ausdrucksstark im Zentrum wie bei Hieronymus Bosch. In seinen Werken existieren Höllenqualen und himmlische Verzückung nebeneinander. Seine komplexen Tableaus lassen sicher geglaubte Gegensätze wie schön und hässlich, eigen und fremd, tugend- oder sündhaft erodieren. Stattdessen zeigt er irdische und jenseitige Welten überbordender Spektakel.

    Die niederländische Choreografin Nanine Linning lässt die Bildwelten Boschs in ihrem Tanztriptychon Hieronymus B. in größter Opulenz lebendig werden. Das Künstlerduo Les Deux Garçons bringt im ersten und zweiten Teil lebensgroße Objekte aus den Werken des Künstlers auf die Bühne. In einer begehbaren choreografischen Ausstellung erleben die Zuschauer*innen das Ballett Rossa als Teufel und Dämonen, Narren und gequälte Seelen. Den Körper als virtuoses Wunderwerk zwischen Zerrissenheit und Aufbegehren stellt Nanine Linning im dritten Teil des Tanzabends in den Fokus. Ihre kraftvolle Choreografie ist den düsteren Höllenlandschaften aus Boschs Garten der Lüste nachempfunden. In ihrer zeitgenössischen Tanzsprache findet sie eine direkte physische Verbindung von mittelalterlichen Ikonen ins Hier und Jetzt, heutige Menschen mit ihren Sehnsüchten und Ängsten zeigend. Die Staatskapelle Halle spielt Werke von Händel, Purcell und Scarlatti sowie ein Auftragswerk des zeitgenössischen Komponisten Michiel Jansen, das diesen spannungsgeladenen Zeitensprung vollendet.

    Nanine Linning war bis zum Sommer 2018 künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der Dance Company Nanine Linning am Theater Heidelberg. Sie kreierte zahlreiche Uraufführungen und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Mit ihren multidisziplinären Arbeiten verlässt die Niederländerin ausgetretene theatrale Pfade und lässt Tanz nahtlos in Design, Video, Musik und bildende Kunst übergehen. Ihre extrem physischen Choreografien rekurrieren auf menschliche Instinkte, Begierden und Emotionen. Ihr Tanzabend Hieronymus B. feierte am 18. Januar 2015 anlässlich des 500. Todesjahres Boschs am Theater und Orchester Heidelberg seine Uraufführung, dort wurden in den Theaterwerkstätten auch Bühnenbild und Kostüme gefertigt „Ein Triumph“ schrieb die Fachzeitschrift Die deutsche Bühne und der Deutschlandfunk urteilte: „Wie das getanzt ist, mit welcher Kraft und Anmut, Expressivität und manchmal auch Demut, das ist sehr, sehr stark.“ Die Erfolgschoreografie, die für zahlreiche Vorstellungen vor ausverkauftem Haus sorgte, ist nun an der Oper Halle erstmals in Mitteldeutschland zu erleben.

    *Eine Produktion des Theaters und Orchesters Heidelberg, UA 18.01.2015, Theater Heidelberg, Koproduzent der Produktion war Stichting Jheronimus Bosch 500. Herstellung der Ausstattung in den Werkstätten des Theaters und Orchesters Heidelberg*

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  • Camposanto - Die Geheimnisse des Stadtgottesackers

    16.06.2019, Stadtgottesacker

    Tauchen Sie ein in die Geschichte des über 500 Jahre alten Renaissance-Friedhofs und erfahren Sie, welche berühmten Hallenser hier ihre letzte Ruhe gefunden haben.

    Stadtgottesacker (seidenmatt - visuelle kommunikation / Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH)

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  • Herr Puntila und sein Knecht Matti

    21.06.2019, Neues Theater

    Der Hof des neuen theaters ist der ideale Spielort für einen finnischen Saunagang zur Mittsommernacht mit Aquavit und Sangeslust. Denn es kommt auf die unmittelbare Verabredung mit dem Publikum an, das authentisch im Geschehen sitzt. Mittrinken und Mitschwitzen sollen sie. »Kräftig drauflos gespielt« werden soll, als wollten wir mit aller boshaften Lust den Teufel dazu bringen, diese Geschichte »gut ausgehen« zu lassen: Nüchtern will der Gutsbesitzer Puntila seine Tochter an einen Aristokraten verheiraten, ist er jedoch besoffen, soll sie an seinen Knecht gehen. Zwei Lebensentwürfe werben in Brechts 1941 im finnischen Exil entstandenem Volksstück um die Gunst der Zuschauer. So unterschiedlich Herr Puntila und sein Knecht Matti auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden diese Welt nicht »verbessern« können.

    Dennoch sind es eben deshalb lebendige Menschen, weil sie es wagen, sich aneinander zu reiben und umeinander zu kämpfen: der verdrehte Puntila, der uns im Suff als naher Mensch erscheint (und so bedauernswert »verkrankt«, wenn er ernüchtert) und sein einfältiger Matti. Jener versucht, die Anfallsucht seines Herrn zu heilen, übersieht aber die Liebe.

    Lasst uns den Hut ziehen vor dem Herrn und dem Knecht, die es wohl als erste wagen, einig zu werden in dieser Welt. Lasst uns traurig sein mit Puntilas Tochter Eva, wenn die beiden »Vagabunden« sie in ihren Kämpfen opfern, ohne es zu bemerken. Lasst uns so viel Lust zum Spielen aufbringen, dass die Zuschauer im Hof den Wein trinken und mit uns hinein in die finnische Sauna wollen. (Ich gebe zu, ich sehne mich nach Puntila.)

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  • Herr Puntila und sein Knecht Matti

    25.06.2019, Neues Theater

    Der Hof des neuen theaters ist der ideale Spielort für einen finnischen Saunagang zur Mittsommernacht mit Aquavit und Sangeslust. Denn es kommt auf die unmittelbare Verabredung mit dem Publikum an, das authentisch im Geschehen sitzt. Mittrinken und Mitschwitzen sollen sie. »Kräftig drauflos gespielt« werden soll, als wollten wir mit aller boshaften Lust den Teufel dazu bringen, diese Geschichte »gut ausgehen« zu lassen: Nüchtern will der Gutsbesitzer Puntila seine Tochter an einen Aristokraten verheiraten, ist er jedoch besoffen, soll sie an seinen Knecht gehen. Zwei Lebensentwürfe werben in Brechts 1941 im finnischen Exil entstandenem Volksstück um die Gunst der Zuschauer. So unterschiedlich Herr Puntila und sein Knecht Matti auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden diese Welt nicht »verbessern« können.

    Dennoch sind es eben deshalb lebendige Menschen, weil sie es wagen, sich aneinander zu reiben und umeinander zu kämpfen: der verdrehte Puntila, der uns im Suff als naher Mensch erscheint (und so bedauernswert »verkrankt«, wenn er ernüchtert) und sein einfältiger Matti. Jener versucht, die Anfallsucht seines Herrn zu heilen, übersieht aber die Liebe.

    Lasst uns den Hut ziehen vor dem Herrn und dem Knecht, die es wohl als erste wagen, einig zu werden in dieser Welt. Lasst uns traurig sein mit Puntilas Tochter Eva, wenn die beiden »Vagabunden« sie in ihren Kämpfen opfern, ohne es zu bemerken. Lasst uns so viel Lust zum Spielen aufbringen, dass die Zuschauer im Hof den Wein trinken und mit uns hinein in die finnische Sauna wollen. (Ich gebe zu, ich sehne mich nach Puntila.)

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  • Herr Puntila und sein Knecht Matti

    28.06.2019, Neues Theater

    Der Hof des neuen theaters ist der ideale Spielort für einen finnischen Saunagang zur Mittsommernacht mit Aquavit und Sangeslust. Denn es kommt auf die unmittelbare Verabredung mit dem Publikum an, das authentisch im Geschehen sitzt. Mittrinken und Mitschwitzen sollen sie. »Kräftig drauflos gespielt« werden soll, als wollten wir mit aller boshaften Lust den Teufel dazu bringen, diese Geschichte »gut ausgehen« zu lassen: Nüchtern will der Gutsbesitzer Puntila seine Tochter an einen Aristokraten verheiraten, ist er jedoch besoffen, soll sie an seinen Knecht gehen. Zwei Lebensentwürfe werben in Brechts 1941 im finnischen Exil entstandenem Volksstück um die Gunst der Zuschauer. So unterschiedlich Herr Puntila und sein Knecht Matti auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden diese Welt nicht »verbessern« können.

    Dennoch sind es eben deshalb lebendige Menschen, weil sie es wagen, sich aneinander zu reiben und umeinander zu kämpfen: der verdrehte Puntila, der uns im Suff als naher Mensch erscheint (und so bedauernswert »verkrankt«, wenn er ernüchtert) und sein einfältiger Matti. Jener versucht, die Anfallsucht seines Herrn zu heilen, übersieht aber die Liebe.

    Lasst uns den Hut ziehen vor dem Herrn und dem Knecht, die es wohl als erste wagen, einig zu werden in dieser Welt. Lasst uns traurig sein mit Puntilas Tochter Eva, wenn die beiden »Vagabunden« sie in ihren Kämpfen opfern, ohne es zu bemerken. Lasst uns so viel Lust zum Spielen aufbringen, dass die Zuschauer im Hof den Wein trinken und mit uns hinein in die finnische Sauna wollen. (Ich gebe zu, ich sehne mich nach Puntila.)

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  • Herr Puntila und sein Knecht Matti

    30.06.2019, Neues Theater

    Der Hof des neuen theaters ist der ideale Spielort für einen finnischen Saunagang zur Mittsommernacht mit Aquavit und Sangeslust. Denn es kommt auf die unmittelbare Verabredung mit dem Publikum an, das authentisch im Geschehen sitzt. Mittrinken und Mitschwitzen sollen sie. »Kräftig drauflos gespielt« werden soll, als wollten wir mit aller boshaften Lust den Teufel dazu bringen, diese Geschichte »gut ausgehen« zu lassen: Nüchtern will der Gutsbesitzer Puntila seine Tochter an einen Aristokraten verheiraten, ist er jedoch besoffen, soll sie an seinen Knecht gehen. Zwei Lebensentwürfe werben in Brechts 1941 im finnischen Exil entstandenem Volksstück um die Gunst der Zuschauer. So unterschiedlich Herr Puntila und sein Knecht Matti auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden diese Welt nicht »verbessern« können.

    Dennoch sind es eben deshalb lebendige Menschen, weil sie es wagen, sich aneinander zu reiben und umeinander zu kämpfen: der verdrehte Puntila, der uns im Suff als naher Mensch erscheint (und so bedauernswert »verkrankt«, wenn er ernüchtert) und sein einfältiger Matti. Jener versucht, die Anfallsucht seines Herrn zu heilen, übersieht aber die Liebe.

    Lasst uns den Hut ziehen vor dem Herrn und dem Knecht, die es wohl als erste wagen, einig zu werden in dieser Welt. Lasst uns traurig sein mit Puntilas Tochter Eva, wenn die beiden »Vagabunden« sie in ihren Kämpfen opfern, ohne es zu bemerken. Lasst uns so viel Lust zum Spielen aufbringen, dass die Zuschauer im Hof den Wein trinken und mit uns hinein in die finnische Sauna wollen. (Ich gebe zu, ich sehne mich nach Puntila.)

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